SEO-Day 2018 Recap: Ein Tag, wie ein bunter SEO-Blumenstrauß

Veröffentlicht: 15.11.2018
Franziska Ziehms

Am 8. November 2018 pilgerten SEO’s aus ganz Deutschland nach Köln, um am SEO-Day 2018 teilzunehmen. Auch in diesem Jahr konnten die Teilnehmer der Fachkonferenz für Suchmaschinenoptimierung zahlreiche Vorträge mit Blick in das RheinEnergieSTADION Köln genießen.

Im Stil eines Vortrag-Hoppings konnten sich alle Teilnehmer ihr Programm selbst zusammenstellen und neues Wissen aus den drei großen Oberkategorien E-Commerce SEO, Onsite/Offsite und SEO-Coder aneignen. Auch SellerBoost war dabei.

Der Google-Bot und JavaScript (JS)

Gleich am morgen wagten wir uns in einen der aus unserer Sicht anspruchsvollsten Vorträge des Tages: “JavaScript-SEO: Unerlässliche Optimierungen für Frameworks wie Angular, React, Vue.JS und Konsorten”. Rene Dhemant, CEO von rene-dhemant.de, wurde nicht nur zum besten Speaker des Vorjahres gewählt, er vermittelte auch geballtes Wissen aus dem Bereich IT-SEO und warf nur so mit Tipps und Tricks zum Thema JavaScript und SEO um sich.

Dabei holte er die Zuhörer gut ab indem er zu Beginn erklärte, wie der Google-Bot crawlt, wer überhaupt der Bot ist und wie die Indexierung von JavaScript-Inhalten durch Google technisch funktioniert. Einen großen Part im Vortrag nahm das Thema Rendering von JavaScript durch Google ein. Die Empfehlungen von Rene Dhemant dazu lauten:

  • Verlasse dich nicht auf das Rendering von JS durch Google!
  • Nutze Server Side Rendering - am besten noch in diesem Jahr!
  • Arbeite mit dem empfohlenem Tool seitens Google namens “Puppeteer”!

Aber damit nicht genug: Er appellierte an die SEO’s sich mit den Themen Debuggen, Request Animations Frames, DOM und Paint Boderleck auseinander zu setzen. Zum Schluss legte er allen SEO’s ans Herz: “Lernt von euren Developern!”

Konkrete Maßnahmen statt SEO-Gedöns

“Von der Analyse zum Ergebnisbericht. Oder in anderen Worten: Konkrete Maßnahmen und To-Do’s statt SEO-Gedöns.” - so Jens Fauldrath, CEO von gettraction.de in seinem Vortrag “OnPage SEO Audit - Was sollte wann betrachtet werden”.

Eins nehmen wir direkt vor weg: Der Vortrag von Jens Fauldrath, war einer der besten an diesem Tag - dies zeigte auch die Teilnehmerzahl. Die Plätze waren alle belegt. Die Zuhörer standen in mehreren Reihen im hinteren Teil des Raumes und saßen auf dem Fußboden vor der Bühne. Trotz der großen Anzahl an Menschen war es still. Alle lauschten aufmerksam den Worten des SEO-Profis. Seine Mission: Der Kampf gegen den Datenbrei. Seine Message an alle SEO’s: “Verstehe die Wirkung aller Teilbereiche und versinke nicht im Datenbrei!”

Und was sollen wir sagen? Die Message ist angekommen. Schritt für Schritt erklärte der Experte die Phasen einer Nutzer-Suchintention, die drei Säulen des OnPage-SEO-Audits, den Ablauf eines Audits sowie die konkrete Maßnahmenfindung.

So beinhaltet einen gutes Audit:

  • Fehler und Ursachen
  • Ziele
  • Ressourcen
  • Fähigkeiten

Und wer eher der Praktiker ist, für den hat es Jens Fauldrath praktisch gemacht. Anhand des Online-Shops Barf-Alarm, ein Shop für biologisch artgerechtes Barf-Fleisch Hundefutter, zeigte er vorhandene Fehler, Ursachen sowie Lösungsansätze mit viel Humor aus den Bereichen

  • IT-Analyse,
  • Performance-Analyse,
  • Template-Check,
  • Informationsarchitektur,
  • Volatilität des Systems

und am Ende die To-Do-Liste inkl. Beschreibungen.

Und wer nach diesem Vortrag immer noch nicht genug Futter für ein gutes OnPage-SEO Audit hat, kann sich weiteres Wissen über den Podcast “Online-Marketing für die Ohren!” auf www.termfrequenz.de aneignen.

Google ist Mist, aber…

Bei der Frage “Braucht Google deine Website?” kommt Johannes Beus, Gründer und Geschäftsführer von sistrix.com, in seinem Impuls-Vortrag zu dem Zwischenfazit: “Google ist Mist, aber (aktuell) die beste Option."

So geht er auf die Tatsache ein, dass bei immer weniger Suchanfragen organische Ergebnisse in Form von Websites angezeigt werden und Google stattdessen immer mehr eigene Inhalte anzeigt, in denen Fragen sofort auf einem Blick in den Suchergebnissen beantwortet werden. Die Folge daraus: Immer weniger User benötigen eine Website, einen Blog oder ähnliches, um die Lösung, nach der sie suchen, zu finden. Die Klicks auf organische Ergebnisse nehmen immer weiter ab.

Johannes Beus erinnert alle SEO’s daran: “Google ist in erster Linie immer noch eine Informationsplattform. Keine Verkaufsplattform.”

Nachdem der SEO-Experte verschiedene Beobachtungen zu den Intent-Arten vorgestellt hat, gibt er allen Zuhörern zwei Tipps mit auf den Weg:

    1. Der Königsweg für die nächsten Jahre: Werde eine Marke! Sorge dafür, dass User, Kunden und Geschäftspartner dich kennen und gezielt nach deiner Marke suchen.
    2. Gehe in die Tiefe! Erkläre Themen so breit und tief wie möglich und schaffe damit die Relevanz für deinen Content. Je ausführlicher und detaillierter du Themen und Fragen deines User beantwortest, desto weniger hat Google die Möglichkeit, eure Infos bzw. eure Seite in den Suchergebnissen selbst zu erklären sowie zu beantworten und ist gezwungen deine Webseite möglichst weit oben in den Suchergebnissen anzuzeigen.

Dezimiere, optimiere, schaffe Vertrauen und biete eine Plattform

Julian Dziki, Geschäftsführer von Seokratie GmbH, hatte in seinem Vortrag 7 wirkungsvolle Online-Marketing Hebel im Petto zur Optimierung des eigenen Online-Shops.

Seine Tipps lauten:

  1. Dezimiere deinen Content!
  2. Optimiere deine Snippets!
  3. Betreibe ein Online-Shop-Magazin!
  4. Optimiere deinen CheckOut!
  5. Starte dein Video-Marketing!
  6. Schaffe Vertrauen durch USP’s!
  7. Nutze Whatsapp!

Dabei gab er nicht nur Einblick in wichtige Zahlen, Daten und Fakten zu den einzelnen Maßnahmen, sondern gab auch Einschätzungen ab, ab wann mit der Wirkung nach Umstellung bzw. Optimierung gerechnet werden kann.

So zum Beispiel zeigte er auf, dass 89,4 % der Deutschen Whatsapp nutzen und Firmen dies als wichtigen Channel für Newsletter oder Nachrichtendienste zu ihren bestehenden Marketing-Instrumenten ergänzend sollten. Denn im Gegensatz zu einer werblichen E-Mail, bei der die Öffnungsrate im Durchschnitt zwischen 20 - 30 % liegt, ist die Öffnungsrate über Whatsapp mit ca. 95 % ein Traum für jeden Marketer.

Weitere Vorteile: Abonnenten chatten mit dir, du schaffst eine direkte und schnelle Kommunikation, erhältst sofortiges und mehr Feedback zu einzelnen Produkten. Du schaffst einen persönlichen Raum, indem sich doch mehr Menschen trauen ihre Gedanken, Fragen oder Anliegen mitzuteilen.

Die Zeit bis zur Wirkung: mehrere Monate. Das Vertrauen der Kunden muss sich Stück für Stück aufbauen und das “Herantasten” an den neuen persönlichen Service benötigt ebenso Zeit. Sobald sich dieser Kanal etabliert hat, bietet er viele Chancen und Vorteile für den eigenen Online Shop.

Erfolgsfaktor User-Psychologie

Schon mal etwas von positiv und negativ Task-Frameworks gehört? Wir dank Fionn Kientzler, Managing Partner von Suxeedo GmbH, schon.

Mit viel Witz und Selbstironie brachte er seinen Zuhörern die beiden Modien nah und erklärte auf was es bei beiden Arten in der Suche nach Informationen ankommt.

Während der User im “Task negativ mode” sich einfach durchklicken möchte und kein konkretes Ziel verfolgt, hat der User im “Task positiv mode” einen klaren Fokus, ist konzentriert und möchte nicht von seinem Ziel abgelenkt werden.

Wie also mit diesen beiden Typen umgehen? Was nützen uns diese Informationen für die Optimierung unserer Website und die Suchmaschinenoptimierung?

Fionne Kientzler erklärte: “Diese Erkenntnisse sind vor allem für das Design wichtig, um den User optimal abzuholen. Ein User im “postiv mode” benötigt klare und übersichtliche Angebotsstrukturen, Ratgeber-Inhalte anstelle von stumpfen SEO-Texten, eine einfache und visuell ansprechende Aufbereitung sowie Testimonials am Ende einer Seite, um in seiner Entscheidung bestätigt zu werden.”

“Bei einem User im “negativ mode” muss ein Sog-Effekt erzeugt werden. Er will sich einfach nur durchklicken. Jeder kennt den negativ mode - stundenlang im Internet surfen und eine Info nach der anderen anschauen bis letztendlich nur noch Katzencontent auf dem Bildschirm läuft und man sich fragt “Wie bin ich denn dahin gekommen?” Hier braucht es auf der Website oder dem Shop aktivierende Links zum endlosen weiterklicken, die immer weiter in eine Thematik hineinführen sowie immer mehr Details zur Verfügung stellen. Dies ist eine große Chance, denn ca. 80% der User auf der Suche nach Infos befinden sich im “Task negativ mode”.” ergänzte er in seinem Vortrag.

Fazit zum SEO-Day 2018

Inhaltlich deckte der SEO-Day viele Themen ab, die das SEO-Herz höher schlagen ließen. Die Vielzahl an Vorträgen reichten von Basic-Themen, über Tipps und Tricks bis hin zu IT-Insiderwissen. Das offene Programm und das Raum-Hopping zwischen den einzelnen Themen ermöglichten es dem Besucher sich einen bunten SEO-Vortrags-Blumenstrauß individuell zusammenzustellen und zwischendurch den ein oder anderen Ausstellerstand zu besuchen.

Mit ausreichend Pausen, einer Candy-Bar und guter Verpflegung waren die Rahmenbedingungen bestens, um neues Wissen aufzusaugen. Zu den Highlights des Tages zählten auf jeden Fall das Superpanel, bei dem die SEO-Experten live Webseiten von Teilnehmern, die sich im Vorfeld dafür beworben haben, analysierten und konkrete Optimierungsmaßnahmen aufstellten sowie der Jean Pereira, Head of Cybersecurity von der Secbiz IT Security GmbH. Er wies nicht nur auf eventuelle Sicherheitslücken in Online Shops und Webseiten hin, sonder zeigte direkt wie er sich aus Sicht eines Hackers Zugang zu Webseiten verschafft. Plötzlich zeigte der Suchbegriff “Donald Trump” in den Suchergebnissen nur noch Fotos von Hillary Clinton an.

Im Anschluss gab es bei der großen All-Inklusive Party Raum zum Netzwerken und Austauschen. Aus unserer Sicht ist der SEO-Day eine Pflichtveranstaltung für alle SEO’s!